iPhone-Shooter: Brothers in Arms im Test

08.12.2008 - 16:30 Uhr von Patrick Woods
Ladeschirm
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Mit Brothers in Arms kommt eine bekannte Spieleserie vom PC und Konsolen auf das iPhone und den iPod Touch. Komplexe 3D-Grafik wie auf der Konsole? Macwelt hat sich in die Schlacht gestürzt und zeigt die Macken des WWII-Shooters.

3D-Shooter haben auf dem PC und Spielkonsolen ein lange Tradition. Auf Handhelds wie dem iPhone sind derart aufwändige Spiele noch Mangelware. Gameloft hat sich an einer Umsetzung des Kriegsspiels Brothers in Arms für das iPhone und den iPod Touch versucht. Bringt das Spiel die Dramatik des zweiten Weltkriegs auch auf dem Apple-Gadget gut rüber?

Dichte Atmosphäre, eine Rahmenhandlung als Story, abwechslungsreiche Missionen und reale Feldzüge als Vorbild: das sind die Zutaten aus denen Kriegsspiele wie Call of Duty oder Brothers in Arms bestehen. Kaum zu glauben, dass dies auch auf dem iPhone umgesetzt werden kann. Doch es funktioniert: Gameloft hat die 3D-Welt des zweiten Weltkrieges auf dem iPhone umgesetzt. Das Ergebnis: Brothers in Arms - Hour of Heroes. Was der Titel bereits so pathetisch andeutet, ist auch in der Umsetzung entsprechend dramtisch. Bereits das Introvideo verspricht dramatische Action mit ebensolchem Soundtrack.

Brothers in Arms teilt sich in drei Kampagnen mit jeweils fünf Missionen auf. So muss man sowohl in der Normandie als auch in Tunesien und in den Ardennen auf Seiten der Alliierten kämpfen. Eine Tutorial-Mission erklärt die grundlegende Steuerung und Bedienung des Spiels. Der Spieler kämpft als Infanteriesoldat. Immer wieder erfordern es die Missionen jedoch, dass man in einen Panzer steigt oder einen Jeep durch feindliches Gelände steuert.

Ducken, Laufen, Schießen: Der Spielablauf

Die Missionen beginnen meist mit einer kurzen Introsequenz. Auch während einer Mission kommt es immer wieder vor, dass mittels animierter Zwischensequenzen plötzlich neue Spielsituationen entstehen: Feindliche Panzer nähern sich, der Scharfschütze der Einheit wird getötet und man muss ihn vertreten und ähnliche Situationen werfen eine laufende Mission immer wieder um. Hier gelingt es dem Spiel gut, die Atmosphäre der PC-Vorbilder auf das iPhone zu transportieren.

Die Grafik ist aufwändig in 3D gehalten, auch die Texturen sind überraschend detailliert, reichen aber nicht an aktuelle Standards anderer Plattformen heran. Vor allem die auf dem iPhone fehlende Kantenglättung lässt die Umgebung recht eckig wirken. Sprachausgabe auf Deutsch und Englisch ("In Deckung", "Krauts") sollen das Kriegsgeschehen noch realistischer erscheinen lassen.

Die Missionen sind sehr linear aufgebaut. Der Spieler schleicht, rennt und schießt sich von Punkt zu Punkt, die über grüne Pfeile und das Radar angezeigt werden. Hier erhält man neue Befehle oder neue Koordinaten, wo man sich hinbewegen muss. Nähert man sich einer Wand oder einem Hindernis, sucht die Spielfigur automatisch Deckung dahinter. Während des Spiels kann man die Waffe wechseln - so man denn eine zweite aufgesammelt hat. Zudem gibt es Handgranaten, mit denen man feindliche MG-Nester oder Panzer außer Gefecht setzen kann.

Problemfall Steuerung

Beim Anvisieren von Gegnern hilft eine Halbautomatik mit. Die Steuerung ist auf mehrere mögliche Arten gelöst. In der Standardeinstellung bewegt man sich mit einem virtuellen Steuerkreuz und wechselt die Blickrichtung mittels freihem Ziehen auf dem Sichtfeld. Es ist aber auch möglich, einen separaten Steuerknüppel für die Blickrichtung zu aktivieren oder die Sicht mittels Neigung zu verändern. Allen Varianten ist gemeinsam, dass sie die Anforderungen eines Shooters kaum erfüllen. Die Reaktion ist oft zu träge, oft zu unpräzise.

Insbesondere beim Lenken eines wendigen Jeeps können einen die angebotenen Steuerungen zur Verzweiflung bringen. Allzu leicht rast man in Häuser und andere Hindernisse, fährt sich fest und wird leichte Beute für den gegnerischen Beschuss. Hier empfiehlt sich die Lenkung mittels Neigung, die wiederum zum Zielen auf Gegner kaum geeignet ist.

Dazu kommt, dass die Blickrichtung bzw. Kameraperspektive oft ungünstig steht und nicht so komfortabel wie mit der Maus korrigiert werden kann, generell etwas träge und unpräzise ist. So geht die Dramatik eines solchen Gefechts leicht in den Antrengungen bei der Bedienung des Spiels unter. Zu allem Überfluss ist die Kollisionsabfrage oft mangelhaft. Der Soldat bleibt in einer Hausecke stecken oder der Jeep steckt in(!) einer flachen Mauer fest. Solche Situationen zeigen, dass die Umsetzung auf dem iPhone noch nicht ausgereift ist. Gelegentliche Totalabstürze des iPod Touch im Test unterstreichen dies noch weiter.

Fazit:

Brothers in Arms: Hour of Heroes ist eine beeindrucke Umsetzung von echten 3D-Spielen, kommt aber in der Praxis noch lange nicht an die Vorbilder heran. Spieltechnische Mängel und die wenig adäquate Steuerung zeigen die aktuellen Grenzen solcher Genres auf dem iPhone. Das Potenzial des Spieles ist jedoch enorm. Grafik, Atmosphäre und Aufwand von Brothers in Arms gehen weit über übliche Casual-Spiele hinaus. Dennoch zeigt sich, dass typische Zocker-Spiele sich nicht ohne Weiteres auf das iPhone portiert werden können.

Das Spielprinzip ist bekannt und ein Stück weit abgenutzt. Reflexionen der dramatischen Geschehnisse finden nicht statt. Stattdessen dreht sich alles um sture Missionen. Stellungen einnehmen, Feinde töten, Panzer zerstören, tiefer dringt das Geschehen nicht.

Mit rund 85 Megabyte Größe ist das Spiel eines der Größeren im App Store. Eine Warnung vorab: Auf iPhones und iPods mit Jailbreak startet das Spiel laut Nutzerberichten nicht.

Steckbrief:

Preis: 8 Euro, 11 CHF

Note: 3,0 befriedigend

Vorzüge: 3D-Grafik, Abwechslung

Nachteile: Umständliche Steuerung, Bugs

Quelle: Copyright (C) www.macwelt.de
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